🏚️In unserer WG gibt es ein Zimmer, das laut Vertrag leer steht — aber jede Nacht atmet jemand darin
Ich bin im September in eine 3er-WG in Leipzig gezogen. Günstige Miete, schöner Altbau, zwei nette Mitbewohner. Was im Inserat nicht stand: dass der Flur vier Türen hat, aber nur drei davon im Mietvertrag.
Die Tür, über die niemand redet
Am ersten Abend zeigt mir Jonas die Wohnung. Küche, Bad, sein Zimmer, Mias Zimmer, mein Zimmer. Wir stehen wieder im Flur, und ich frage: `Und das da?` Ich zeige auf die vierte Tür am Ende. Holz, alt, kein Namensschild. Jonas dreht sich nicht um. Er sagt nur: `Abstellraum. Geht eh nicht auf.` Mia, die in der Küche steht, lässt eine Tasse fallen. Niemand kommentiert es. Ich sage auch nichts. Aber als ich später ins Bett gehe, hört es sich an, als würde jemand die Klinke testen. Ganz leise. Von innen.
Die ersten Nächte
Ich versuche, es zu ignorieren. Altbau, sage ich mir. Holz arbeitet. Heizungen klopfen. Aber dann kommt die dritte Nacht. Ich liege im Bett, mein Zimmer grenzt an den Flur, und ich höre es ganz deutlich: Atmen. Langsam, regelmäßig, schwer. Nicht meins. Nicht von Jonas oder Mia, deren Zimmer auf der anderen Seite sind. Es kommt aus der vierten Tür. Ich schalte das Licht an. Ich gehe in den Flur. Ich lege mein Ohr ans Holz. Das Atmen hört auf. Aber ich spüre — und das ist der Teil, den ich nicht erklären kann — dass jemand auf der anderen Seite genau dasselbe macht.
Mia weiß etwas
Am nächsten Morgen frage ich Mia beim Kaffee. Ganz vorsichtig. `Hast du nachts manchmal was aus dem Abstellraum gehört?` Sie hört auf umzurühren. Schaut mich lange an. Dann sagt sie: `Die Vormieterin hieß Lena. Sie ist im April ausgezogen. Sehr plötzlich. Sie hat ihr ganzes Zeug dagelassen.` Ich frage, wo das Zeug jetzt ist. Mia zeigt mit dem Löffel auf die Tür. `Drin. Wir haben es reingestellt und abgeschlossen. Die Vermieterin wollte es abholen lassen. Hat sie nie gemacht.` Dann beugt sie sich vor und sagt leiser: `Geh da nicht rein. Egal was du hörst.`
Die Sache mit dem Schlüssel
Eine Woche später räume ich die Küche auf und finde in der hintersten Schublade einen alten Schlüsselbund. Drei kleine Messingschlüssel, einer davon mit grünem Klebeband markiert. Etwas in mir weiß sofort, welche Tür er öffnet. Ich warte, bis Jonas und Mia auf der Arbeit sind. Mittags, Sonnenlicht, alles ist hell, alles ist normal. Ich gehe zur Tür. Der Schlüssel passt beim ersten Versuch. Das Schloss klickt fast freundlich. Ich atme einmal tief ein. Ich denke noch: `Es ist nur ein Zimmer.` Dann drücke ich die Klinke runter.
Was drinnen war
Es war ein normales Zimmer. Bett am Fenster, Schreibtisch, Bücherregal, ein Kleiderschrank mit offener Tür. Lenas Sachen, dachte ich, niemand hatte sie weggeräumt. Aber das Bett war zerwühlt. Frisch zerwühlt. Die Decke halb auf den Boden gerutscht, das Kissen mit einem deutlichen Abdruck eines Kopfes. Ich legte meine Hand auf die Matratze. Sie war warm. Auf dem Nachttisch lag ein Buch. Aufgeschlagen. Ein Lesezeichen aus rotem Stoff. Und neben dem Buch — und hier hörte mein Atem auf — lag mein Tagebuch. Das, von dem ich dachte, ich hätte es noch nicht ausgepackt.
Mein Tagebuch, aber nicht meine Schrift
Ich nahm es in die Hand. Es war meines, ohne Zweifel. Schwarzer Einband, der Kaffeefleck auf der Vorderseite vom letzten Sommer, mein Name auf der ersten Seite. Aber jemand hatte weitergeschrieben. Hinter dem letzten Eintrag, den ich am Tag vor meinem Einzug gemacht hatte, standen weitere Seiten. Dieselbe Tinte. Eine Schrift, die meiner schmerzhaft ähnlich war, aber nicht ganz. Die Einträge waren auf die letzten sieben Nächte datiert. Sie beschrieben mein Leben. Was ich gegessen hatte. Mit wem ich telefoniert hatte. Was ich getragen hatte. Der letzte Eintrag war von heute Morgen. Er endete mit: `Sie wird heute den Schlüssel finden. Sie wird heute reinkommen.`
Jonas hat gelogen
Ich rannte raus, schloss zu, setzte mich in die Küche und wartete. Als Jonas heimkam, hielt ich ihm den Schlüssel hin. Er wurde weiß. `Wo hast du den her.` Ich erzählte ihm alles. Das Bett, das Buch, die Schrift. Er setzte sich. Er rieb sich die Augen. Dann sagte er: `Lena ist nicht im April ausgezogen. Lena hat einen Tag bevor du einzogst angerufen. Sie hat gefragt, ob das Zimmer noch frei ist. Wir haben gesagt, es ist schon vermietet. An dich.` Er sah mich an. `Sie hat gelacht. Sie hat gesagt: macht nichts, ich wohne sowieso noch da.`
Letzte Nacht
Ich habe das Zimmer abgeschlossen. Ich habe den Schlüssel in einer Tasse Reis im Küchenschrank versteckt. Ich habe meine Tür mit einem Stuhl unter der Klinke blockiert. Es ist jetzt drei Uhr nachts, und ich tippe das hier auf meinem Handy, weil ich nicht schlafen kann. Vor zehn Minuten habe ich gehört, wie jemand im Flur lief. Leise Schritte. Sie blieben vor meiner Tür stehen. Dann gingen sie wieder zurück. Vor fünf Minuten hat es aufgehört zu atmen im anderen Zimmer. Es ist komplett still. Und gerade eben, ich schwöre, gerade eben, habe ich gehört, wie jemand in der Küche eine Schublade öffnet. Den Reis durchwühlt. Sucht.
Sofort startbare Umfrage-Ideen
- 1Würdest du in das Zimmer reingehen?Sofort, ich muss es wissenNiemals, sofort ausziehenNur mit Jonas und Mia dabeiSchlüssel wegwerfen und so tun als wär nichtsDiese Umfrage starten
- 2Was steht wirklich in dem Tagebuch?Lena schreibt mitSie selbst im SchlafJonas oder Mia macht sich einen ScherzEtwas, das kein Mensch geschrieben hatDiese Umfrage starten
- 3Wer atmet nachts in dem Zimmer?Lena, die nie ausgezogen istEin GeistNiemand, sie hört das selbstJonas hat ein GeheimnisDiese Umfrage starten
- 4Was würdest du als nächstes tun?Polizei rufenVermieterin anrufenHeimliche Kamera installierenCouchsurfen bis das Semester vorbei istDiese Umfrage starten
- 5Wie ehrlich war Jonas?Er weiß alles und schützt sieEr hat auch nur AngstEr ist Teil davonEr ist LenaDiese Umfrage starten
Häufige Fragen
F.Ist das eine wahre Geschichte?+
Es ist ein Thread, kein Polizeibericht. Manche Sachen sind so passiert, manche habe ich glatter geschrieben, damit es sich lesen lässt. Das Atmen ist echt. Das Tagebuch auch.
F.Warum bist du nicht einfach ausgezogen?+
Ich habe drei Monate Kaution bezahlt. Ich habe gerade erst angefangen zu studieren. Und ehrlich — ein Teil von mir will wissen, wie es weitergeht. Das ist der Teil, der mir Angst macht.
F.Hast du Jonas oder Mia gefragt, ob sie selbst nachts den Flur entlangschleichen?+
Beide schwören, sie haben tief geschlafen. Mia schläft mit Ohrstöpseln. Jonas hat einen Schlaftracker und zeigt mir die Daten. Niemand war wach. Trotzdem waren Schritte da.
F.Hast du die Vermieterin angerufen?+
Ja. Sie war komisch ruhig am Telefon. Sie sagte: `Das Zimmer ist nicht vermietet, weil es nicht vermietet werden kann.` Mehr wollte sie nicht sagen. Ich rufe heute nochmal an.
F.Wo ist das Tagebuch jetzt?+
Auf meinem Schreibtisch. Ich habe es nicht mehr ins Zimmer zurückgelegt. Heute Morgen war ein neuer Eintrag drin, den ich nicht geschrieben habe. Er war kurz. Er sagte: `Danke, dass du es mitgenommen hast.`
F.Gibt es ein Update?+
Ich poste weiter, solange ich kann. Wenn drei Tage nichts kommt, schaut bitte nach mir. Adresse hat eine Freundin. Ihr Username steht im nächsten Thread, falls einer kommt.
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