🚪Jeden Sonntag klopft eine alte Frau. Sie nennt mich Enkelkind. Oma ist seit 12 Jahren tot.
Ich wohne seit acht Monaten allein in dieser Wohnung in Leipzig. Jeden Sonntag um 9:47 Uhr klopft eine alte Frau an meine Tür. Immer dreimal. Immer dieselben drei Klopfer. Und seit letzter Woche weiß ich, dass irgendwas richtig, richtig falsch ist.
Sonntag eins. Ich dachte, sie hätte sich verlaufen.
Es war Anfang Oktober. Ich war noch im Pyjama, hatte gerade Kaffee aufgesetzt. Klopfklopfklopf. Ich mache auf. Vor mir steht eine winzige Oma, vielleicht 80, dünner Mantel, graue Haare unter einem Kopftuch. Sie lächelt mich an, als hätte sie mich schon ewig nicht gesehen. „Hallo, mein Schatz. Ich wollte nur kurz vorbeischauen." Ich war freundlich, aber verwirrt. Ich habe gesagt, sie hätte sich wohl im Stockwerk vertan. Sie hat genickt, sich entschuldigt und ist gegangen. Hab nicht mehr drüber nachgedacht. Dachte: süße alte Dame, Demenz vielleicht. Passiert.
Sonntag drei. Sie kannte meinen Namen.
Den nächsten Sonntag war ich nicht da. Aber am übernächsten, wieder 9:47 Uhr, klopfklopfklopf. Ich mache auf, sie steht da, dieselbe Frau. „Hannah, Liebes, du siehst müde aus. Schläfst du genug?" Ich bin stehengeblieben wie eingefroren. Ich heiße Hannah. Ich habe kein Klingelschild. Mein Briefkasten hat nur „H. K." stehen. Mein Instagram ist privat. „Woher kennen Sie meinen Namen?" Sie hat nur gelacht, leise, fast traurig. „Du warst immer so vergesslich, mein Kind." Dann ist sie gegangen, langsam, die Treppe runter. Ich habe der Nachbarin von gegenüber später ein Foto beschrieben. Sie kannte niemanden, der so aussah.
Ich habe angefangen, mich am Sonntag zu verstecken.
Ehrlich, ich habe das Klopfen einfach ignoriert. Drei Sonntage in Folge. Jedes Mal genau 9:47 Uhr. Klopfklopfklopf. Pause. Dann nichts. Ich habe durch den Spion geschaut. Sie stand da, geduldig, die Hände gefaltet, und schaute direkt in den Spion. Als ob sie wüsste, dass ich da bin. Sie hat nie zweimal geklopft. Sie hat nie etwas gerufen. Sie ist immer nach genau zwei Minuten wieder gegangen. Ich habe es mit der Stoppuhr gemessen. Zwei Minuten. Punkt.
Der Zettel.
Sonntag sieben. Ich war nicht da, ich war bei meiner Mutter zum Mittagessen. Als ich abends nach Hause kam, lag ein kleiner Zettel unter der Tür. Papier, gelblich, an den Rändern leicht gewellt, als wäre es alt. In sauberer alter Schrift stand: „Ich habe Apfelkuchen mitgebracht, wie früher. Schade, dass du nicht da warst. Bis nächste Woche, mein Enkelkind. Oma." Mir wurde übel. Ich habe meine Mutter angerufen. Sie hat lange geschwiegen. Dann hat sie gefragt, ob ich Witze mache. Meine Großmutter, väterlicherseits, ist 2014 gestorben. Apfelkuchen war ihr Ding. Sie hat mich „Enkelkind" genannt, nie beim Namen, immer nur Enkelkind.
Sie wusste Dinge, die niemand wissen kann.
Letzten Sonntag habe ich aufgemacht. Ich musste. Ich habe nicht mehr geschlafen, ich war drei Wochen lang am Rand. Sie stand da, lächelte. „Endlich, Kindchen. Ich war so besorgt." Ich habe sie gefragt, wer sie ist. Sie hat gesagt: „Du hast den 14. April Geburtstag. Du hast als Kind diesen Plüschhasen geliebt, du hast ihn Mimi genannt. Du hast immer Angst vor dem Schrank im Flur gehabt, weil du dachtest, da wohnt jemand." Alles richtig. Alles. Den Hasen kannte nicht mal mein Ex. Der Schrank-Sache habe ich niemandem je erzählt. Sie hat mich angeschaut, ganz ruhig, und gefragt: „Erinnerst du dich an mich, Enkelkind?"
Was die Polizei gesagt hat.
Ich habe sofort die Tür zugemacht. Ich habe die Polizei gerufen. Zwei Beamte sind gekommen, freundlich, haben sich alles angehört. Sie haben das Treppenhaus überprüft, die Nachbarn gefragt. Niemand hat sie reinkommen sehen. Niemand hat sie rausgehen sehen. Die Haustür unten ist mit Code, und der Code ist seit zwei Monaten nicht geändert worden, aber nur Bewohner haben ihn. Die Polizistin hat mich angeschaut und gesagt: „Wir können nichts tun, solange sie nichts macht. Aber rufen Sie sofort an, wenn sie nächsten Sonntag wiederkommt." Sie hat noch gesagt, ich solle eine Kamera installieren. Ich habe noch am selben Abend eine Türklingel mit Kamera bestellt.
Was auf der Kamera ist.
Die Kamera ist seit Donnerstag aktiv. Sie zeichnet alles auf, was näher als zwei Meter an die Tür kommt. Heute ist Sonntag. Es ist 9:47 Uhr. Ich sitze gerade hier und schreibe das, und ich höre keine Schritte im Treppenhaus. Aber ich höre etwas anderes. Ich höre, wie meine Türklinke ganz, ganz langsam runtergedrückt wird. Von innen wirkt es, als würde sich jemand dagegenlehnen. Die Kamera hat seit acht Minuten nichts aufgezeichnet. Sie zeigt nur den leeren Flur. Aber meine Klinke bewegt sich. Und gerade hat es geklopft. Klopfklopfklopf. Direkt neben meinem Ohr. Von der Innenseite der Wohnung.
Sofort startbare Umfrage-Ideen
- 1Hannah, mach NICHT auf. Was würdest du tun?Sofort raus, zu FreundinPolizei rufen, hier bleibenAufmachen, Antworten kriegenHinter dem Sofa versteckenDiese Umfrage starten
- 2Was glaubst du, wer ist diese Frau?Geist der OmaEine Verwirrte, die zufällig Sachen weißStalker mit RechercheEtwas SchlimmeresDiese Umfrage starten
- 3Der Zettel mit dem Apfelkuchen. Was würdest du machen?VerbrennenAufhebenAn Mama schickenDrauf antwortenDiese Umfrage starten
- 4Sie kennt deinen Plüschhasen-Namen Mimi. Wie?Hat dich seit der Kindheit beobachtetSie ist wirklich OmaDu hast es mal online geschriebenEs gibt keine ErklärungDiese Umfrage starten
- 5Würdest du in dieser Wohnung weiter wohnen?Niemals. Sofort raus.Vielleicht mit Kameras überallJa, das ist mein ZuhauseErstmal bei den Eltern schlafenDiese Umfrage starten
Häufige Fragen
F.Ist das echt passiert oder erfunden?+
Ich poste das hier, weil ich nicht mehr weiß, wem ich glauben soll. Die Polizei hat einen Vorgang. Ich habe die Zettel noch. Glaubt was ihr wollt, ich wünschte, es wäre erfunden.
F.Hast du die Polizei gerufen?+
Ja, nach Sonntag acht. Zwei Beamte waren da. Sie haben einen Vermerk gemacht, aber gesagt, sie könnten nichts tun, solange nichts passiert. Heute werde ich nochmal anrufen.
F.Hast du die Tür wirklich aufgemacht?+
Letzten Sonntag ja. Einmal. Ich war erschöpft. Das war ein Fehler. Sie hat dadurch wahrscheinlich genau das gewusst, was sie wissen wollte, nämlich dass ich da wohne.
F.Hat die Kamera sie heute aufgenommen?+
Nein. Das ist das, was mir gerade die Angst macht. Der Flur ist auf der Aufnahme leer. Aber das Klopfen kam von drinnen. Ich tippe das hier mit zitternden Händen.
F.Kann es deine echte Oma sein?+
Mein Vater hat sie 2014 beerdigt. Ich war auf der Beerdigung. Ich glaube nicht an sowas. Aber sie wusste den Hasen Mimi. Niemand wusste das. Niemand außer meiner Oma.
F.Was machst du jetzt?+
Ich schreibe diesen letzten Satz und gehe raus. Ich nehme nichts mit. Ich rufe meine Mutter aus dem Treppenhaus an. Wenn ich Internet habe, update ich. Wenn nicht, dann wisst ihr warum.
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